„Aus dem Bedürfnis heraus, den Fremden und Gästen, die im Sommer unseren von Wald umgebenen Ort als Erholungsstätte aufsuchen, eine größere Festveranstaltung zu bieten, traten im Jahre 1902 die Vorstände zusammen und beschlossen, ein Volksfest zu veranstalten.“ Dieser knappe Satz ist der schriftlich verbriefte Auftakt zur Gründung eines Volksfestvereins in Albersdorf. Schon zuvor erfreute sich der Ort eines lebhaften Fremdenverkehrs, was der intensiven Werbung des Bürgervereins, des Kurvereins und des Verschönerungsvereins zu verdanken war.
Der Gärtnereibesitzer Anton Jürgensen ergriff schließlich die Initiative und begeisterte sechs Vereine und die Freiwillige Feuerwehr für die Gründung des Volksfestvereins. Die Vereine der ersten Stunde waren laut Beschlussprotokoll von 1903 der Kampfgenossenverein 1870/71, der Gardistenverein, der Kriegerverein, die Feuerwehr, der Turnverein, der Kurverein und die Liedertafel. In Hotel "Zur Badeanstalt", dem heutigen "Kurhotel Ohlen", wurden folgende Männer in den ersten Festausschuss gewählt: Anton Jürgensen als erster Vorsitzender, Johann Grantz als zweiter Vorsitzender, Peter Hansen als erster Schriftführer, Heinrich Lau als zweiter Schriftführer sowie Johannes Sierks, Hans Kuhr und Friedrich Moltzen. Als Tag des ersten Volksfestes wurde der 19. Juli 1903 festgelegt. Zum Festplatz wurde der Kaiserberg bestimmt, und auch einen Umzug gab es schon bei diesem ersten Fest. Dieser stellte sich am "Dithmarscher Hof", einer Gastwirtschaft am Kapellenplatz, auf.
Um mit dem Fest nicht in die Miesen zu geraten, zeichneten 26 Bürger zur Deckung eines möglichen Defizits eine Garantiesumme in Höhe von 360 Mark. Die Gastwirte des Ortes übernahmen indes die Aufstellung von 1500 Sitzplätzen.
Das erste Fest war so erfolgreich, dass eine Rücklage angelegt werden konnte und einer Wiederholung nichts im Wege stand. In den ersten Jahren beschränkten sich die Albersdorfer Organisatoren auf ein eintägiges Fest. 1920 wurde es dann erstmals auf zwei Tage ausgeweitet.
Anlässlich seines zehnjährigen Bestehens gab sich der Verein 1912 erstmals eine Satzung. Schon zwei Jahre später wurden auf den Kanal-Linien Brunsbüttel-Grünental und Rendsburg-Grünental zwei Dampfer geschartert. Von dem Anleger Grünental aus wurden die Gäste dann mit Personenautos im Pendelverkehr zum Festplatz am Kaiserberg gefahren.
Die hoffnungsvollen Aktivitäten wurden dann vom Ersten Weltkrig jäh unterbrochen. Doch nahm der Verein 1919 mit frischem Mut seine Tradition wieder auf. Viele Erfolge, aber auch immer wieder Rückschläge begleiteten das Vereinsleben: 1923 schlug die Inflation zu, das Fest belief sich in Einnahmen und Ausgaben auf sagenhafte acht Millionen Mark. Im Januar 1924 musste festgestellt werden, dass es sich mit dem Vereinsvermögen „erledigt habe“. Es folgten ein schwieriger Neustart, da es nach der Inflation keine Rücklagen mehr gab. Dennoch machten die Organisatoren weiter, auch nachdem 1927 ein total verregnetes Pfingsten erneut die Kasse ruinierte.
1929 beschloss der Verein, das Fest weiterhin an zwei Tagen zu feiern und bewarb dieses in Rundfunk und Presse, womit die Besucherzahlen beachtlich gesteigert wurden. Als es dem Verein nach 1930 finanziell wieder besser ging, dachte er sofort wieder ans Allgemeinwohl und beteiligte sich vier Jahre lang mit einem jährlichen Zuschuss in Höhe von 500 Mark am Bau des Aussichtturmes auf dem Kaiserberg. Der Turm wurde übrigens von der Heider Firma Köster errichtet.
Das erste Feuerwerk wurde 1931 abgefeuert - auf einer Kirchenkoppel an der Friedrichstraße. 1932 wurde dann das vorerst letzte Volksfest, das der Verein nach eigenem Gusto ausrichten konnte. Danach geriet man unter das Joch der Nazis. Die NSDAP versuchte, das Volksfest durch einen Wehrsporttag zu ersetzen. Doch gegen Zahlung einer Geldspende konnte der Verein 1933 zumindest die geplante Parteiveranstaltung abwenden. Doch im Jahr darauf war nichts mehr zu machen: Statt eines Volksfestes wurde auf Parteianordnung ein Wehrsporttag unter der Regie der SA-Standarte Dithmarschen absolviert. Regie und Ablauf übernahm nicht der Verein, sondern die Gemeinde Albersdorf.
Der Volksfestverein beschloss indes 1935, keine Anstalten in Sachen Volksfest mehr zu unternehmen. Die Antwort der Nazi-Regenten folgte auf dem Fuße: Der damalige Bürgermeister Ferdinand Diekmann verfügte den Zusammenschluss von Volksfestverein, Verkehrsverein, Schwimmverein und Verschönerungsverein zum Verkehrsverein. Der neu gebildete Club wurde gemeinsam mit der Gemeindevertretung einem Sonderbeauftragten unterstellt. Die Volksfeste 1937 und 1938 wurden dann von der NS-Organisation „Kraft durch Freude“ ausgerichtet – entsprachen allerdings nicht dem gewohnten Niveau. Über das Fest 1939 gibt es keine Aufzeichnungen mehr. Danach setzte der Zweite Weltkrieg einen vorläufigen Schlussstrich unter dieses Fest.
Erst 1948 fanden sich wieder Albersdorfer zusammen, um das Volksfest aus Ruinen auferstehen zu lassen. Erster Vorsitzender der Nachkriegszeit des Vereins wurde 1948 der kommissarische Bürgermeister Peter Wieck. Annton Jürgensen wurde Ehrenvorsitzender.
Nach der Währungsreform stand der Verein erneut ohne einen Pfennig in der Tasche da. Dennoch wurde das Volksfest 1949 ein voller Erfolg, der dem Verein Mut und Kraft gab, weitere Feste zu organisieren. 1953 feierte der Verein sein 50-jähriges Jubiläum, doch blieben die Feste trotz guten Verlaufs in wirtschaftlicher Hinsicht schwierig. Es mussten neue Geräte angeschafft werden, der Verein musste Vergnügungssteuern zahlen und die Standgelder wurden von der Gemeinde eingestrichen. Mehrfach wurde deshalb in den 50er-Jahren das Fest infrage gestellt.
In den 60er-Jahren verbesserte sich die finanzielle Lage des Vereins und auch die Infrastruktur im Ort. So erhielt der Verein einen Nutzungsvertrag für den "Papenbusch", der zum Kurpark ausgebaut wurde. Der Kurpark bekam 1969 seinen Musikpavillon, an dessen Ausbau der Verein maßgeblich beteiligt war. Vorsitzender war zu dieser Zeit, nämlich von 1955 bis 1972, Willibald Golz, zugleich Albersdorfer Bürgermeister.
Nur wenige Jahre später schlug der Verein abermals neue Wege ein und brachte 1978 mit dem Schweizer Stargast Paola internationales Flair in den Kurpark. Seitdem stehen regelmäßig zu Pfingsten in Albersdorf national und international bekannte Musiker auf der Muschelbühne im Kurpark – übrigens: die ersten Weltstars, die dort ein Konzert gaben, waren im Oktober 1996 die Don Kosaken unter der Leitung von Serge Jaroff.
Vom Ende der 70er-Jahre bis über die Jahrtausendwende hinweg prägte der ehemalige Albersdorfer Bürgermeister Manfred Trube die Geschicke des Vereins. Gleichwohl sank die Zahl der Aktiven auf weniger als 30. Ende der 90er-Jahre ging die personelle Durststrecke indes zu Ende und zehn neue Mitglieder wurden auf einmal aufgenommen. In den folgenden Jahren fand der Verein immer größeren Rückhalt bei den Jüngeren, so dass die Zahl der Mitglieder auf aktuell 60 anstieg. Unter dem Vorsitz von Knut Torsten Arp, der dieses Amt von Trube 2004 übernahm, hat sich das Fest in vielen Punkten verändert. Der Jahrmarkt wurde ausgeweitet, die Angebote im "Papenbusch" für Familien verbessert und die gesamte Veranstaltung in ein moderneres Gewand gehüllt. „Gleichwohl ist es uns wichtig, Traditionen zu erhalten“, sagt Arp. Den Beweis, Neues und Altes nach wie vor geschickt zu verbinden, tritt der Verein mit dem Volksfest 2010 erneut an.